Nancy, gelegen im Nordosten Frankreichs, ist eine Stadt mit Seele – charmant und geschichtsträchtig. Einst Residenzstadt der Herzöge von Lothringen, versprüht sie bis heute königliches Flair und ist bekannt für ihre prachtvollen Plätze, allen voran die Place Stanislas, die zu den schönsten Europas zählt und seit 1983 Teil des UNESCO-Weltkulturerbes ist. Doch Nancy ist mehr als nur barocker Glanz: Besonders als Wiege des französischen Jugendstils (Art Nouveau) hat sich die Stadt einen festen Platz in der Kunstgeschichte gesichert. Umgeben von sanften Hügeln und nur einen Katzensprung von Metz und Luxemburg entfernt ist Nancy ein ideales Ziel für alle, die französisches Flair, Kultur und Genuss miteinander verbinden möchten.

Gerade für Reisende aus Deutschland ist Nancy* ein ideales Ziel für einen spontanen Kurzurlaub: Die Stadt liegt nur wenige Stunden von der deutschen Grenze entfernt und ist mit dem Auto bequem erreichbar, von Köln aus in gerade einmal 4 Stunden. Öffentliche Parkplätze sind in der Stadt gut verteilt und vergleichsweise günstig, ich selbst habe mich für das Parkhaus „Kennedy“ in der Rue André Schock entschieden und von Donnerstag bis Samstag unglaubliche 11,50€ bezahlt. Dafür parke ich hier bei mir daheim keine 4 Stunden, aber gut…. Samstags ist hier das Parken komplett kostenlos und die sehr kundenfreundlichen Preise erleichtern die Anreise mit dem eigenen PKW ungemein. Und auch die Verbindungen mit dem ÖPNV sind hier großartig, zudem bekommt ihr praktische 10er Karten, mit denen ihr auch mit mehreren Personen gemütlich von A nach B kommt.


Ob für ein verlängertes Wochenende oder auf der Durchreise in den Süden – die Mischung aus französischem Flair, architektonischer Vielfalt und entspannter Atmosphäre macht Nancy zu einem perfekten Ziel für alle, die dem Alltag für einen Moment entfliehen und in eine andere Welt eintauchen möchten – ganz ohne lange Anreise.
Schon bei der Ankunft in Nancy umweht euch ein Hauch von Eleganz und Geschichte. Sanft gleiten die Sonnenstrahlen über die historischen Fassaden, und das Gefühl, angekommen zu sein, stellt sich spätestens dann ein, wenn ihr die majestätische Schönheit des Place Stanislas zum ersten Mal seht. Von hier will ich also meine kleine Besichtigungstour starten und euch später auch noch Tipps und Ideen für einen längeren Aufenthalt mit an die Hand geben. So stay tuned!

Entdeckt die Geschichte der Stadt
Nancy lässt sich wunderbar zu Fuß erkunden – und wie könnte man das besser tun als mit einem Audioguide von „visitnancy“ durch das Herzstück der Stadt, das UNESCO-Weltkulturerbe? Ladet euch die verschiedenen Rundgänge schon vorab auf euer Handy und lasst euch dann GPS-begleitet durch die Stadt führen. Ihr könnt wählen zwischen einem Rundgang durch das historische Zentrum, einer Besichtigung zum Thema Jugendstil, Renaissance oder einem Besuch des Rives de Meurthe. Ich selbst habe mich für das historische Zentrum entschieden. Diese 25 Stopps sind perfekt fußläufig erreichbar und ihr schafft den Rundgang locker an 2-3 Stunden, wobei mehr natürlich immer geht.

Los geht’s an der beeindruckenden Place Stanislas – dem strahlenden Zentrum Nancys. Erbaut zwischen 1752 und 1755 im Auftrag von Stanislaus I. Leszczyński, verbindet er Alt- und Neustadt auf beeindruckende Weise. Umrahmt wird der Platz von klassizistischen Bauten wie dem Rathaus, dem Musée des Beaux-Arts und der Opéra national de Nancy – Lorraine. Was diesen Ort aber so einzigartig macht, sind die kunstvoll geschmiedeten Goldornamente an Toren und Balustraden, die im Sonnenlicht regelrecht leuchten – fast wie vergoldete Spitzen, die der Stadtkrone aufgesetzt wurden. In der Mitte thront würdevoll die Statue von Stanislaus, der seine Stadt mit visionärer Hand geprägt hat. Zwischen Juni und September könnt ihr hier übrigens die wundervolle immersive Installation „Son et Lumière – La Belle Saison 2025“ bewundern, die bei Einbruch der Dunkelheit eine tolle Lichtshow an die historischen Fassaden bringt.

Nur wenige Schritte weiter durchquert ihr den Arc Héré, ein imposanter Triumphbogen im römisch inspirierten Stil, der den Übergang zur Place de la Carrière markiert. Die langgestreckte Allee mit ihrer Baumreihe und den harmonischen Gebäuden diente einst höfischen Festen und Paraden – heute flanieren hier Spaziergänger, Studenten und Familien, eingerahmt von ruhiger Eleganz.
Ein verstecktes Juwel ist die Place d’Alliance, etwas abgelegen und doch voller Geschichte. Der Platz wurde zu Ehren des Bündnisses zwischen Frankreich und Österreich errichtet – das Zentrum ziert ein zarter Brunnen mit klassischer Anmutung. Die gesamte Platzanlage ist ein Paradebeispiel für die symmetrische Stadtplanung des 18. Jahrhunderts und versetzt euch mit einem einzigen Blick zurück in eine Zeit höfischer Raffinesse.


Wenn euch danach der Sinn nach etwas Natur steht, ist der angrenzende Parc de la Pépinière genau das Richtige: eine grüne Oase mitten im Herzen der Stadt. Hier weht der Duft von Flieder und frisch gemähtem Gras durch die Luft, Kinder spielen, Rentner lesen Zeitung – und ihr könnt einfach auf einer der vielen Bänke verschnaufen und die Szenerie genießen. Auch ein wunderschöner Ort für eine Pause ist der Jardin Dominique Alexandre Godron, nur wenige Schritte vom Stanislas-Platz entfernt und hinter dem Muséum-Aquarium gelegen. Der Eintritt hier ist frei und ihr findet im Sommer viele schattige Plätze in einem unglaublichen Blütenmeer, um der Hektik des Alltags zu entkommen.
Die Kathedrale Notre-Dame-de-l’Annonciation von Nancy liegt ebenfalls nur wenige Schritte von der Place Stanislas entfernt und beeindruckt mit ihrer eleganten Barockfassade. Im Inneren erwarten euch prächtige Altäre, farbenfrohe Glasfenster und ein imposantes Kuppelgewölbe. Sie lädt dazu ein, einen Moment der Ruhe und Andacht mitten im Stadtzentrum zu erleben.

Der zweite Teil eures Rundgangs führt euch in die Altstadt, das ursprüngliche Nancy, wo alles begann. Kopfsteinpflaster, schmale Gassen und der Charme vergangener Jahrhunderte begleiten euch auf Schritt und Tritt. Besonders eindrucksvoll ist der Herzogspalast, der lange Zeit als Residenz der Herzöge von Lothringen diente. Seine spätgotische Fassade, das kunstvoll gestaltete Portal und das ruhige Innenhofensemble lassen Geschichte lebendig werden.
Direkt daneben erhebt sich die Franziskanerkirche, heute Teil des Museumskomplexes, mit ihrer schlichten Eleganz und dem spürbaren Hauch klösterlicher Stille – ein Ort der Einkehr mitten in der Stadt. Ein paar Minuten entfernt erreicht ihr die charmante Place Vaudémont, die oft übersehen wird, aber mit ihrem gemütlichen Flair und den umliegenden Cafés eine perfekte Kulisse für eine kurze Pause bildet. Von hier sind es nur wenige Schritte zur Place Saint-Epvre, dominiert von der neugotischen Basilika Saint-Epvre, deren Türme über den Dächern der Altstadt wachen. Der Platz ist besonders in den frühen Abendstunden bezaubernd, wenn das goldene Licht der untergehenden Sonne die Fassade in warmen Tönen leuchten lässt.

Euer Spaziergang endet am Porte de la Craffe, dem ältesten Stadttor Nancys aus dem 14. Jahrhundert. Mit seinen wuchtigen Türmen, Schießscharten und Zinnen erinnert es an längst vergangene Zeiten, als Nancy noch von dicken Mauern umgeben war. Heute ist das Stadttor ein beliebtes Fotomotiv – und gleichzeitig ein Symbol dafür, wie Vergangenheit und Gegenwart in Nancy auf so stilvolle Weise miteinander verschmelzen.

Nancy und das Art Nouveau
Wenn ihr früh anreist und euch für Architektur interessiert habt ihr nun noch Zeit, euch mit dem Thema Jugendstil / Art Nouveau in Nancy auseinander zu setzen. Nancy gilt als eines der Zentren des französischen Art Nouveau – hier auch bekannt als École de Nancy. Um 1900 entwickelte sich die Stadt im Nordosten Frankreichs zu einem Hotspot für innovative Architektur und Kunstgewerbe. Künstler wie Émile Gallé, Louis Majorelle, Jacques Gruber und Eugène Vallin prägten mit ihrer floralen Ornamentik, geschwungenen Linien und dem Zusammenspiel aus Glas, Holz und Metall das Stadtbild. Bis heute lässt sich dieses Erbe in Nancy an vielen Orten entdecken.
Beim Spaziergang durch die Ville Neuve werdet ihr feststellen, wie sich Geschichte und Gegenwart hier die Hand reichen. Zwischen historischen Gebäuden entdeckt ihr moderne Boutiquen, kleine Cafés mit Außenterrassen, Bouquinisten, die Bücher in die Sonne legen, und kunstvolle Straßenschilder, die an vergangene Epochen erinnern. Es ist diese Mischung aus Struktur und Seele, die die Ville Neuve so besonders macht – ein Stadtteil, der nicht bloß geplant wurde, sondern gelebt wird.

Die einzigartige Architekturbewegung des Art Nouveau, die sich zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Europa ausbreitete, fand in Nancy eine besonders kreative und prägende Heimat. Die Stadt gilt als eine der wichtigsten Hochburgen des Art Nouveau und steht noch immer im internationalen Vergleich ganz oben, wenn es um diese stilistische Epoche geht. Die Balkone aus geschmiedetem Eisen ziehen euch in ihren Bann – jede Spirale, jeder florale Akzent scheint von Hand geformt worden zu sein, als ob die Kunst des Schmiedens selbst eine blühende Pflanze zum Leben erwecken wollte. In den Straßen der Ville Neuve ist es, als ob jeder Winkel, jede Wand eine Geschichte erzählt, ein kleines Kunstwerk für sich darstellt, das die Schönheit des Augenblicks in der Architektur einfängt.

Beginnt euren Rundgang in der Rue Saint-Jean, wo ihr nah beeinander die beiden Stilrichtungen des Art Nouveau und Art Deco miteinander vergleichen könnt. Mit der Pharmacie du Point Central könnt ihr eines der schönsten erhaltenen Art Deco Gebäude entdecken, das mit seiner eleganten Art-Déco-Fassade beeindruckt. Hier bewundert ihr fein gearbeitete Holzverkleidungen, florale Ornamente und eine detailreiche Fassade, die das Auge sofort gefangen nimmt. Auch im Inneren ist die Apotheke ein Kunstwerk für sich – ein echtes Schmuckstück des Alltags.
Nur wenige Schritte weiter liegt die ehemalige Samenhandlung Genin-Louis, ein wunderschönes Zeugnis der Verschmelzung von Natur und Architektur. Die Fassade erzählt mit dekorativen Fliesen und Pflanzenornamenten vom damaligen Sinn für Schönheit im Nutzbau – ein selten schönes Beispiel für Jugendstil in der Handelsarchitektur.

Ein oft übersehenes Highlight befindet sich im Inneren der ehemaligen Crédit Lyonnais in der Rue Saint-Georges: ein prachtvolles Glasdach, entworfen von Jacques Gruber. Das florale Glasmosaik lässt buntes Licht in den Raum fallen und schafft eine fast magische Atmosphäre – ein stilles Meisterwerk im geschäftigen Stadtleben.
Ein paar Straßen weiter beeindruckt die Industrie- und Handelskammer (Chambre de Commerce et d’Industrie) mit ihrer monumentalen Jugendstil-Architektur. Die eleganten Eisenverzierungen, geschwungenen Linien und dekorativen Fenster erinnern daran, wie eng Kunst und Wirtschaft einst verbunden waren.

Direkt gegenüber vom Bahnhof liegt die legendäre Brasserie Excelsior – ein lebendiges Denkmal des Jugendstils. Die hohen Decken, die bleigefassten Fenster, die floralen Glasdekore und die eleganten Möbel stammen unter anderem von Louis Majorelle und Jacques Gruber. Hier solltet ihr euch unbedingt ein Mittag- oder Abendessen gönnen – nicht nur wegen der ausgezeichneten französischen Küche, sondern auch, um das Flair der Belle Époque mit allen Sinnen zu erleben.
Mit diesem Programm habt ihr einen wunderbaren ersten Eindruck zu Nancy bekommen und sollte eure Zeit knapp sein, reicht auch dieser schon aus, um ein Gefühl für das Flair der Stadt zu bekommen. Aber natürlich empfehle ich euch einen zweiten Tag in Nancy zu verbringen und mit weiteren spannenden Erlebnisse zu füllen…. dazu bald mehr!
*Pressereise / Vielen Dank an DESTINATION NANCY für die Unterstützung bei diesem Beitrag
Beitrag unentgeltlich!
Ein Kommentar
ein schöner Bericht mit vielen Informationen und schönen Fotos
Grüße aus den Niederlanden