Die Wildschönau – Wo das Grün lebendig wird

Wildschönau

Künstler schwärmen oft von den unendlichen Nuancen des Blaus – vom weiten Himmel, dem tiefen Meer, vom Spiel des Lichts auf der Wasseroberfläche. Doch glaubt mir, Blau ist nicht alles! Mir ist bei meinem letzten Urlaub in der Wildschönau* in Österreich erst so richtig bewusst geworden, wie vielfältig und lebendig Grün sein kann, wie tief beruhigend und gleichzeitig lebendig. Ein Grün, das sich nicht in einer einzigen Nuance beschreiben lässt, sondern in unzähligen Facetten leuchtet: mal sanft und hell, mal tief und geheimnisvoll, mal frisch wie gerade erwacht. Es ist ein Farbspiel, das nicht nur die Augen, sondern auch die Seele berührt – und dessen Leuchten mich nachhaltig bewegt hat.

Die Wildschönau ist dabei eines dieser Reiseziele, das nicht laut um Aufmerksamkeit ruft, sondern in seiner Bescheidenheit verzaubert. Als langgezogenes Hochtal in den Kitzbüheler Alpen ist sie durchzogen von saftigen Wiesen und dicht bewaldeten Hängen. Der Tourismus spielt hier eine große Rolle, aber ohne das Gefühl von Überfülle oder Hektik. Vielmehr ist alles darauf ausgelegt, dass Gäste Ruhe finden, Natur erleben und den Alltag hinter sich lassen können. Passend dazu der Slogan: „Da leb‘ ich auf.“ Und ja – schon nach wenigen Stunden versteht man, warum er so treffend ist.

Schon die Anfahrt ist ein Erlebnis: Nur knapp hinter der deutsch-österreichischen Grenze gelangt ihr zunächst zu dem recht lebhaften Ort Wörgl, bevor es über eine kurvenreiche Strecke bergauf geht. Sie windet sich durch das waldreiche Tiroler Unterland, bis sich plötzlich vor einem das lange, sanfte Tal der Wildschönau öffnet. Fast wirkt es wie ein verborgenes Kleinod, das sich erst demjenigen zeigt, der bereit ist, die einladenden Serpentinen hinaufzufahren. Dort, wo die Luft spürbar klarer wird und die Hektik des Alltags langsam zurückbleibt, wartet ein Tal, das seinem Namen alle Ehre macht, wild in seiner Ursprünglichkeit und schön in seiner stillen, grünen Pracht. Es ist, als würde man eine Schwelle übertreten: Hier beginnt ein anderes Tempo, hier darf man einfach sein.

Bei strahlendem Sonnenschein zeigt sich die Wildschönau in ihrer ganzen Pracht. Die Wiesen leuchten in fröhlichem Hellgrün, während dunklere Wälder wie schützende Riesen darüber wachen. Zwischen den Hängen funkeln helle Almflächen, die im Licht beinahe glitzern. Wenn die Sonne durch den blauen Himmel bricht, verwandelt sich die Landschaft in ein lebendiges Gemälde in tausend Facetten – jedes Grün neu gemalt, jedes Detail ein kleines Wunder. Einmal samtig, dann wieder frisch und lebendig.

Und dann ist da noch die Klangkulisse, die dieses Tal so unverwechselbar macht: das leise Klingen der Kuhglocken, die wie ein sanftes Lied über die Hänge wehen ist allgegenwärtig. Die Tiere ziehen im Sommer über die Almen, friedlich grasend und mit einer Ruhe, die ansteckend wirkt. Dazu mischt sich das sanfte Rauschen des Windes, der über die Höhen streicht und das Plätschern kleiner Bäche, die sich mal langsam, mal kräftiger ihren Weg vom Berg herab suchen. So entsteht eine Atmosphäre, die gleichzeitig belebt und beruhigt – eine Einladung, tiefer zu atmen, langsamer zu gehen und den Moment bewusst zu genießen.

Die Wildschönau ist aber bei Weitem nicht nur ein Ort zum Staunen und Verweilen, sondern auch ein echtes Paradies für Aktivurlauber. Hier findet jeder seine persönliche Form, die Natur hautnah zu erleben – ganz gleich, ob im Sommer oder im Winter. Während in der kalten Jahreszeit Skifahrer und Snowboarder die perfekt präparierten Pisten und weiten Hänge lieben, sind es in den warmen Monaten vor allem die Wanderer, Radfahrer und Naturliebhaber, die hier voll auf ihre Kosten kommen.

Ein besonderes Highlight ist außerdem der TAL Herbst, der die goldene Jahreszeit in der Wildschönau mit zahlreichen Veranstaltungen feiert. Von traditionellen Almabtrieben, bei denen geschmücktes Vieh ins Tal zurückkehrt, über kulinarische Genusswochen mit regionalen Schmankerln bis hin zu Bauernmärkten, Konzerten und Handwerksvorführungen – hier spürt man die echte Tiroler Kultur. Die festliche Stimmung, das herbstliche Farbenspiel der Natur und die gelebten Traditionen machen den TalHerbst zu einer unvergesslichen Zeit für Gäste und Einheimische gleichermaßen.

Gerade zwischen Frühjahr und Herbst zeigt sich die Wildschönau von ihrer facettenreichsten Seite: Saftige Wiesen verwandeln sich in blühende Teppiche, die Wälder spenden wohltuenden Schatten und die Almen laden zum Rasten ein. Über 300 Kilometer markierte Wanderwege durchziehen das Tal, von einfachen Spaziergängen entlang klarer Bäche bis hin zu anspruchsvolleren Bergtouren, die Kondition und Trittsicherheit erfordern. Und ganz gleich, welche Route man wählt: Sie alle haben eines gemeinsam – sie führen mitten hinein in dieses unbeschreiblich schöne Grün, das die Landschaft prägt und ihr diese besondere Ruhe und Kraft verleiht.

Ein perfektes Beispiel ist die Almenrunde um den Roßkopf, eine Wanderung, die zeigt, was das Tal so besonders macht und an die ich mich an einem sonnigen Vormittag gewagt habe. Los geht es zunächst ganz entspannt mit der Markbachjochbahn, deren Nutzung in der Wildschönau PREMIUM Card enthalten ist. Diese Gästekarte erhaltet ihr automatisch in allen Partnerhotels, die der Wildschönau (Premium) Card angeschlossen sind – sie ist in eurem Zimmerpreis enthalten. Achtet also bei der Buchung darauf, ob euer Hotel die PREMIUM Card oder die reguläre Wildschönau Card anbietet – mit der Premium-Variante sind die Bergbahnen inkludiert.

Parkt also euer Auto kostenlos an der Bergbahn und genießt dann zum vielleicht ersten Mal den wunderschönen Ausblick auf das Tal, wenn sich die Gondel langsam den Berg hinauf zieht. Oben angekommen solltet ihr die Foto-Stopps am Gipfelkreuz nicht auslassen, bevor ihr dem sehr gut ausgeschilderten Wanderweg zur Käsealm, später zum Halsgatterl folgt.

Die Wege erscheinen zumeist gefestigt, teils aber verwandeln sie sich in schmale Pfade, manchmal steinig, manchmal weich mit Gras bewachsen. Feste Schuhe sind hier Pflicht, denn auch wenn die Route nicht zu den schwierigsten gehört, sind die Wege doch nie ganz eben. Ich selbst habe Wanderschuhe, aber auch feste Turnschuhe bestehen diese Route. Nur bitte keine Flip Flops oder leichte Sommersandalen und ja, auch das habe ich am Berg entdeckt. Dazu gehören unbedingt auch ein Getränk und vielleicht ein paar Snacks in den Rucksack – die frische Bergluft macht durstig und wer zwischendurch stehen bleibt, um die Aussicht zu genießen, merkt, wie sehr man die Pausen schätzt.

Und diese Pausenorte sind hier wahrlich etwas Besonderes. Nach ca. 1/3 der Strecke lädt die Käsealm zu einem Skiwasser (oder etwas anderem) ein: frisch, kühl und mit diesem besonderen Geschmack, der in der klaren Bergluft einfach noch besser ist. Auch für das leibliche Wohl ist gesorgt, könnt ihr hier doch eine feine Jausenplatte oder frische Buttermilch bestellen. Zwischen Juni und September könnt ihr zudem zwei Mal wöchentlich die Käserei besichtigen, das war mir allerdings nicht vergönnt. Genossen habe ich meine Pause hier trotzdem.

Von hier aus geht es über die Forststrasse, oder als Abkürzung über die Wiese hoch hinauf zum Halsgatterl und der kleinen Kapelle. Zugegeben, ich bin hier schon etwas ins Schwitzen geraten, aber der Ausblick war es wert und der Stolz, es geschafft zu haben allemal. Wer seinen eigenen Proviant mitgebracht hat, findet hier um die kleine Kapelle am Halsgatterl perfekte Plätze, um auf einer Bank oder einfach im Gras zu verweilen. Und keine Sorge, die frei grasenden Kühe halten bei der Pause dank eines kleinen Zauns Abstand und waren mir gegenüber eh immer recht freundlich, aber scheu. Geht einfach langsam an ihnen vorbei, fasst sie nicht an und trottet so wie die Kühe selbst eures Weges und alles ist gut.

Die Wanderung führt nun wieder bergab, weiter über die unebene Kuhwiese (Bitte auf Kuhfladen achten!) vorbei an Almflächen und immer wieder eröffnen sich neue Perspektiven. Mal wirkt das Tal wie eine weite Bühne, mal wie ein geheimes Refugium, abgeschirmt von den Bergen. Und jedes Mal, wenn man innehält, klingt es wieder leise im Hintergrund – das harmonische Geläut der Kuhglocken, wie ein Soundtrack zum Naturerlebnis. Aber bitte vergesst trotz der beeindruckenden Kulisse nicht den Weg im Auge zu halten. Denn grade auf dem weiteren Weg nach der Kuhwiese wird es teils steinig, vielleicht auch felsig und wenn es vorher geregnet hat, dann kann der Untergrund schon mal glatt erscheinen.

Schließlich kommt ihr bei der Norderbergalm aus, wieder einen fantastischen Punkt für eine Pause. Gönnt euch ein kühles Getränk und vielleiht einen herzhaften Snack, bevor es wieder leicht bergauf zurück zur Marbachjochbahn geht. Unterwegs habt ihr vielleicht Glück und könnt den Paraglidern beim Start zusehen, wenn sie sich in den Wind fallen lassen und sanft über die Wildschönau gleiten. Mutige können hier auch einen Tandemflug buchen und die Landschaft aus einer neuen Perspektive bestaunen, mit der Wildschönau Card und der PREMIUM Card bekommt ihr sogar Rabatt.

Vielleicht ist es gerade das, was die Wildschönau so besonders macht: Sie braucht keine großen Attraktionen, keine künstlich geschaffenen Höhepunkte. Das Erlebnis ist das Einfache, das Echte – die Berge, die Wiesen, die regionalen Produkte, der Geruch von frischem Gras, das Grün in all seinen Schattierungen. Eine Wanderung wird hier nicht zum sportlichen Wettkampf, sondern zu einer Einladung, bewusst zu gehen, zu schauen, zu atmen.

Wer einmal nach einer Tour auf einer Almterrasse sitzt, ein Skiwasser oder eine Buttermilch in der Hand, und dabei über die grüne Landschaft blickt, versteht schnell, was es bedeutet: „Da leb‘ ich auf.“ Es ist ein Gefühl, das bleibt – auch wenn man längst wieder im Tal unten angekommen ist.

Doch nicht nur die Natur selbst ist einen Besuch wert: Auch die vier Orte des Tals – Niederau, Oberau, Auffach und Thierbach – lohnen sich, genauer entdeckt zu werden. Niederau gilt als Tor zur Wildschönau und begeistert mit seiner lebendigen Atmosphäre und dem markanten Markbachjoch, von dem aus viele Touren starten. Ich selbst war in Oberau, dem Herzstück des Tals, und habe dort die entspannte Stimmung, die hübsche Kirche und die kleinen Cafés besonders genossen. Es ist ein Ort, der charmant bodenständig wirkt und gleichzeitig das typische Tiroler Lebensgefühl vermittelt. Auffach zieht vor allem Bergfreunde an, da die Schatzbergbahn direkt ins Wander- und Skigebiet führt und im Winter wie Sommer gleichermaßen ein Magnet ist. Thierbach wiederum ist ein ganz besonderes Juwel: das kleinste Dorf der Wildschönau, abgeschieden, idyllisch und mit einer Ruhe, die fast schon aus der Zeit gefallen scheint. Wer durch diese Orte schlendert, entdeckt nicht nur Tiroler Tradition, sondern auch das Gefühl, wirklich angekommen zu sein.

Hier wird schnell klar: die Wildschönau ist ein Stück Tirol, das nicht laut erscheint, sondern ganz leise. Doch wer hinhört, hört viel: das Klingen der Glocken, das Rauschen des Windes, das Summen der Bienen auf den Blumenwiesen und das gemütliche Leben in den Dörfern. Es ist eine Region, die dazu einlädt, die Natur mit allen Sinnen zu erleben und dabei ganz nebenbei selbst wieder aufzuleben.

Ob bei einer gemütlichen Almenrunde um den Roßkopf oder einfach bei einem Spaziergang durchs Tal – die Wildschönau schenkt Momente, die leicht sind wie die Brise über den Wiesen und tief wie das satte Grün ihrer Wälder. Und vielleicht ist genau das das Schönste am Reisen: Orte zu finden, die einen von innen heraus lächeln lassen.

Doch seien wir mal ehrlich – es kann nicht immer nur die Sonne scheinen. Schlechtwetter-Alternativen für die Wildschönau zeige ich euch dann im nächsten Beitrag, also bis bald!

 

 

*Vielen Dank an den TVB Wildschönau für die Einladung! / Beitrag unentgeltlich!

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