Wer den ersten Teil meiner Reise gelesen hat, weiß bereits, wie sehr mich der Highway 395 begeistert hat. Die Strecke von Ridgecrest bis Mammoth Lakes bot eine unglaubliche Mischung aus weiter Wüstenlandschaft, schroffen Felsformationen, spannenden Sehenswürdigkeiten und immer wieder grandiosen Blicken auf die Sierra Nevada. Mit den Alabama Hills, dem Convict Lake und der Fahrt auf den Mammoth Mountain lagen bereits einige echte Höhepunkte hinter mir. Doch der Highway 395 wäre nicht der Highway 395, wenn er damit schon alles gezeigt hätte.


Zwischen Mammoth Lakes und South Lake Tahoe zeigt der Highway 395 noch einmal, warum diese Strecke für viele zu den schönsten Roadtrips Kaliforniens gehört. Kaum habt ihr die letzten Bergseen rund um Mammoth Lakes hinter euch gelassen, verändert sich die Landschaft erneut: Dichte Wälder, weite Ebenen und glitzernde Seen wechseln sich ab, während Flüsse immer wieder euren Weg begleiten – manchmal ruhig und gelassen, manchmal tosend und laut.

Und dann liegt plötzlich der Lake Tahoe vor euch, ein See, der mit seinem tiefblauen Wasser und der beeindruckenden Bergkulisse einfach sprachlos macht. Genau dieses Gefühl, dass hinter jeder Kurve eine neue Landschaft wartet, macht den Reiz des Highway 395 aus. Es geht nicht darum, schnell ans Ziel zu kommen – der Weg selbst ist hier das eigentliche Erlebnis.

June Lake Loop – Kaliforniens schöne Panoramastraße
Nur wenige Kilometer nördlich von Mammoth Lakes zweigt eine vergleichsweise kurze Straße vom Highway 395 ab, die ihr auf keinen Fall auslassen solltet: der June Lake Loop. Die rund 25 Kilometer lange Panoramastraße gehört für viele Einheimische zu den schönsten Scenic Drives Kaliforniens – und nach meiner Fahrt kann ich das absolut nachvollziehen. An meinem Reisetag war es zwar bedeckt und grau, wodurch der See nicht so geglitzert hat, wie man es sonst im Internet gerne sieht, das tat seiner Schönheit aber nichts. Je nach Sonnenstand strahlt der See aber in unterschiedlichsten Blau- und Türkistönen.


Während auf dem Highway selbst häufig die Weite der Landschaft dominiert, wird die Strecke hier deutlich intimer. Die Straße schlängelt sich durch dichte Kiefernwälder, vorbei an glasklaren Seen und immer mit den mächtigen Gipfeln der Sierra Nevada im Hintergrund. Besonders gefallen hat mir, dass sich der June Lake Loop wunderbar entschleunigt erleben lässt. Es geht hier nicht darum, möglichst schnell voranzukommen, vielmehr laden zahlreiche Aussichtspunkte dazu ein, einfach anzuhalten, ein paar Schritte ans Wasser zu gehen und die Ruhe zu genießen.


Wenig später folgen mit Gull Lake, Silver Lake und Grant Lake gleich weitere wunderschöne Bergseen. Jeder besitzt seinen ganz eigenen Charakter, doch alle verbindet diese fast schon postkartenreife Kulisse aus Wasser, Wald und schneebedeckten Bergen. Gerade am frühen Morgen oder am späten Nachmittag liegt eine besondere Stimmung über dieser Landschaft. Das Licht wird weicher, die Berge spiegeln sich im Wasser und man versteht schnell, warum viele Besucher deutlich länger bleiben als ursprünglich geplant.

Mono Lake – ein See aus einer anderen Zeit
Kaum verlässt man die alpine Bergwelt rund um June Lake, verändert sich die Landschaft erneut völlig. Nur wenige Minuten später liegt plötzlich der Mono Lake vor euch – einer der außergewöhnlichsten Seen, die ich bisher gesehen habe. Der Mono Lake entstand bereits vor rund 760.000 Jahren und gehört damit zu den ältesten dauerhaft bestehenden Seen Nordamerikas. Da der See keinen natürlichen Abfluss besitzt, sammeln sich seit Jahrtausenden Mineralien und Salze im Wasser. Dadurch entstand eine Landschaft, die beinahe außerirdisch wirkt.


Bevor ihr den See erkundet, lohnt sich ein Besuch im Mono Lake Visitor Center. Die kleine Ausstellung erklärt anschaulich die Entstehung des Sees, seine besondere Tierwelt und warum dieses empfindliche Ökosystem heute unter Naturschutz steht. Gerade wenn ihr die Landschaft nicht nur fotografieren, sondern auch verstehen möchtet, ist das Besucherzentrum eine ideale Ergänzung. Besonders spannend fand ich zu erfahren, welche Bedeutung der See für Millionen Zugvögel besitzt. Obwohl das Wasser extrem salzhaltig ist und hier keine Fische leben können, bildet der Mono Lake einen wichtigen Rastplatz für zahlreiche Vogelarten.


Gleichzeitig leben im Wasser Milliarden kleiner Salinenkrebse und Alkali-Fliegen, die wiederum die Nahrungsgrundlage für die Vögel bilden, ein faszinierendes Zusammenspiel der Natur. Wer noch etwas mehr Zeit mitbringt, sollte anschließend auch einen Spaziergang zu den berühmten Tuffsteinformationen unternehmen. Diese bizarren Kalktürme ragen teilweise mehrere Meter aus dem Wasser empor und verleihen dem Mono Lake sein unverwechselbares Erscheinungsbild.


Auf dem letzten Abschnitt Richtung Lake Tahoe
Nur wenige Fahrminuten entfernt erreicht ihr anschließend den Mono Lake Vista View. Der Aussichtspunkt gehört für mich zu den schönsten Fotospots entlang des gesamten Highway 395. Von hier blickt ihr über den riesigen See bis hinüber zu den schneebedeckten Gipfeln der Sierra Nevada. Gerade dieser Kontrast zwischen der kargen, fast wüstenartigen Landschaft und den weißen Bergen im Hintergrund macht den Reiz dieses Ortes aus.

Je weiter ihr nach Norden fahrt, desto häufiger wechselt die Landschaft erneut ihr Gesicht. Die trockenen Ebenen verschwinden langsam, dafür rücken Wälder und Berge immer näher zusammen. Bereits die letzten Kilometer vermitteln das Gefühl, dass sich das große Finale dieser Reise nähert.
Und tatsächlich: Als sich schließlich der erste Blick auf den tiefblauen Lake Tahoe öffnet, versteht man sofort, warum dieser See zu den beliebtesten Reisezielen Kaliforniens zählt.

South Lake Tahoe – zwei Bundesstaaten, zwei Welten
South Lake Tahoe hat mich sofort begeistert: der Ort verbindet eine wunderschöne Naturkulisse mit einer angenehm lebendigen Atmosphäre. Anders als viele reine Ferienorte wirkt hier alles sehr entspannt, Menschen sitzen gemütlich in Straßencafés, schlendern durch kleine Geschäfte oder genießen einfach den Blick auf die umliegenden Berge.

Besonders gerne bin ich durch das Heavenly Village spaziert. Rund um den kleinen Platz reihen sich Restaurants, Cafés, Eisdielen, Boutiquen und Outdoor-Geschäfte aneinander. Trotz der vielen Besucher wirkt alles angenehm gepflegt und keineswegs hektisch. Gerade am Abend herrscht hier eine schöne Urlaubsstimmung.
Ein perfekter Ort, um den Tag entspannt ausklingen zu lassen, ist die South Lake Brewing Company. Die kleine lokale Brauerei liegt etwas abseits des Trubels von Heavenly Village, bietet aber genau diese gemütliche Atmosphäre, die ich an solchen Orten besonders mag. Hier dreht sich alles um handwerklich gebrautes Bier, eine entspannte Stimmung und das Gefühl, einfach ein paar Stunden sitzen und genießen zu können. Neben den verschiedenen selbst gebrauten Bieren gibt es regelmäßig Veranstaltungen und Livemusik, wodurch schnell eine gesellige Atmosphäre entsteht. Nach einem Tag voller Naturerlebnisse, Aussichtspunkte und Wanderwege ist dies der perfekte Platz, um bei einem kühlen Getränk noch einmal die Eindrücke der Reise Revue passieren zu lassen.


Eine Besonderheit von South Lake Tahoe ist seine Lage direkt auf der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada. Tatsächlich verläuft die sogenannte State Line mitten durch den Ort – dieser Unterschied ist sofort sichtbar. Auf der Nevada-Seite dominieren die großen Hotelkomplexe mit ihren Casinos. Schon von weitem fallen die Hochhäuser von Harrah’s, Harveys oder Bally’s ins Auge. Leuchtreklamen, Spielcasinos und Unterhaltung erinnern fast ein wenig an das benachbarte Las Vegas – allerdings deutlich kleiner und entspannter.


Nur wenige Schritte weiter, auf kalifornischer Seite, verändert sich das Bild komplett. Plötzlich prägen hohe Kiefern, kleinere Hotels, gemütliche Lodges und viel Grün das Ortsbild. Es wirkt ruhiger, naturnäher und fast schon alpin. Genau hier hatte ich mich für meinen Aufenthalt in eine kleine Lodge eingebucht, die mit viel Liebe zum Detail im Bergstil dekoriert war. Viel Holz, gemütliche Details und die Lage mitten zwischen den Bäumen vermittelten sofort dieses typische Mountain-Feeling, das so gut zu South Lake Tahoe passt. Besonders schön fand ich die Ruhe rund um die Unterkunft: Umgeben von hohen Kiefern war vom Trubel der Casino-Seite kaum etwas zu spüren. Stattdessen konnte ich morgens mit Vogelgezwitscher starten und abends in entspannter Atmosphäre den Tag ausklingen lassen. Genau dieser spannende Kontrast macht South Lake Tahoe so einzigartig.

Heavenly Mountain Scenic Gondola – das schönste Panorama am Lake Tahoe
Wenn ich euch in South Lake Tahoe nur eine einzige Attraktion empfehlen dürfte, wäre es ohne jede Frage die Fahrt mit der Heavenly Mountain Scenic Gondola. Bereits die Talstation liegt mitten im Heavenly Village, kaum schließt sich die Gondeltür hebt ihr über den Ort ab und es beginnt eines der schönsten Panoramaerlebnisse der gesamten Reise.

Langsam schwebt ihr über die Baumwipfel hinweg, mit jedem Höhenmeter wird der Blick spektakulärer. Unter euch verschwindet South Lake Tahoe langsam zwischen den Wäldern, während sich vor euch der riesige Lake Tahoe immer weiter öffnet. Das intensive Blau des Wassers wirkt fast unwirklich und bildet einen faszinierenden Kontrast zu den dunklen Wäldern und den umliegenden Bergen.

Bereits an der Observation Deck an der Mittelstation lohnt sich ein längerer Halt, denn von hier bietet sich einer der berühmtesten Ausblicke auf den gesamten See. Ich hätte problemlos eine Stunde dort verbringen können, einfach nur mit Blick über das Wasser. Doch die Fahrt geht noch weiter hinauf!

Oben angekommen befindet ihr euch mitten im Heavenly Mountain Resort, das sich längst nicht mehr nur an Wintersportler richtet. Gerade während der Sommermonate verwandelt sich das Skigebiet in ein riesiges Freizeitareal, in dem zahlreiche Aktivitäten angeboten werden. Wer es gemütlich mag, kann auf verschiedenen Wanderwegen die Bergwelt erkunden oder einfach die Aussicht genießen. Familien finden mehrere Kletterangebote, Hochseil-Elemente und Erlebnisbereiche. Besonders beliebt ist die Ridge Rider Mountain Coaster, eine rasante Sommerrodelbahn, die sich durch den Wald schlängelt. Dazu kommen Tubing-Angebote, Kletterwände, ein Adventure Course sowie zahlreiche Möglichkeiten, die Natur aus unterschiedlichsten Perspektiven zu erleben.

Was mir dabei besonders gefallen hat: Trotz der vielen Aktivitäten bleibt genügend Raum, einfach einmal innezuhalten. Ein Kaffee auf der Sonnenterrasse mit Blick in die Bergwelt gehört für mich definitiv zu den Momenten, an die ich mich noch lange erinnern werde.
Entspannung am Strand
Auch wenn man Lake Tahoe in erster Linie mit Bergen verbindet, überrascht der See mit wunderschönen Stränden. Das glasklare Wasser lädt an warmen Sommertagen durchaus zum Baden ein – auch wenn es selbst im Hochsommer angenehm erfrischend bleibt. Entlang von South Lake Tahoe gibt es mehrere öffentliche Strandabschnitte, an denen ihr euch mit einem Picknick niederlassen, die Füße ins Wasser halten oder einfach den Blick über den See schweifen lassen könnt.

Wer nicht nur am Ufer entspannen möchte, findet am Lake Tahoe auch zahlreiche Möglichkeiten, den See aktiv zu erleben. Besonders beliebt sind Kajak- und Stand-up-Paddle-Touren, bei denen ihr die beeindruckende Landschaft aus einer ganz neuen Perspektive entdecken könnt. Fast lautlos über das türkisfarbene Wasser zu gleiten, während die bewaldeten Berghänge und die Sierra Nevada im Hintergrund aufragen, ist sicherlich eines der schönsten Erlebnisse, die man hier im Sommer haben kann. Auch Bootsfahrten, Segeln und verschiedene Wassersportangebote gehören zum vielfältigen Freizeitangebot rund um den See.
Nach vielen Tagen auf dem Highway, geprägt von Bergen, Wüstenlandschaften und endlosen Straßen, war diese Mischung aus Natur, Entspannung und Aktivitäten am Wasser für mich der perfekte Abschluss dieser Reise.

Mein Fazit
Der zweite Abschnitt des Highway 395 zeigt noch einmal eindrucksvoll, wie abwechslungsreich Kalifornien wirklich ist. Mit dem idyllischen June Lake Loop, dem faszinierenden Mono Lake und dem traumhaften Lake Tahoe erlebt ihr innerhalb weniger Stunden Landschaften, die unterschiedlicher kaum sein könnten.
Für mich gehört diese Route mittlerweile zu den schönsten Roadtrips der gesamten USA. Nicht wegen spektakulärer Rekorde oder berühmter Sehenswürdigkeiten, sondern weil sie entschleunigt. Weil sie Raum lässt, anzuhalten, Landschaften bewusst wahrzunehmen und Kalifornien von einer Seite kennenzulernen, die viele Reisende noch immer übersehen.
Wenn ihr also etwas mehr Zeit mitbringt und die bekannten Touristenpfade einmal verlassen möchtet, dann kann ich euch den Highway 395 nur ans Herz legen. Ich bin mir sicher: So wie mir wird es auch euch schwerfallen, diese außergewöhnliche Landschaft wieder zu verlassen.
*Vielen Dank an das Team von Visit California und dem Heavenly Mountain Resort für die Unterstützung dieses Beitrags!