Darf es ein bisschen mehr sein? Wann sich ein Extra beim Flug wirklich lohnt

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Wer mich kennt, der weiß: Ich bin privat wie dienstlich viel unterwegs und verbringe regelmäßig im Jahr einige Stunden über den Wolken. Gerade bei Langstreckenflügen stellt sich dann für mich vor jeder Reise dieselbe Frage: Muss es wirklich immer das günstigste Ticket sein, oder lohnt sich ein Upgrade? Ich vergleiche vor jeder Reise sehr genau meine Bedürfnisse mit den Angeboten der verschiedenen Fluggesellschaften. Nicht jede Reise erfordert dieselben Extras – und genau deshalb lohnt es sich, genauer hinzusehen.

Im vergangenen Jahr bin ich für neun Tage nach New York geflogen – in der Economy Class und ausschließlich mit Handgepäck. Für diesen Städtetrip war das perfekt: ich war relativ kurz unterwegs, brauchte keine besondere Ausrüstung und wusste, dass ich vor Ort nur wenig einkaufen würde. Das hat überraschend gut funktioniert und ich habe kein einziges Mal einen größeren Koffer vermisst. Am Flughafen war ich mit meinem Handgepäck schnell unterwegs und auch der Transport vom Flughafen nach Manhatten lief reibungslos, da ich nicht viel Gepäck durch den ÖPNV naviegieren musste.

Für meine diesjährige Reise an die amerikanische Westküste sah die Sache allerdings völlig anders aus. Drei Wochen unterwegs zu sein mit Klima zwischen Wüste und Schnee bedeutet automatisch mehr Kleidung, mehr Ausrüstung und deutlich mehr Platzbedarf. Dazu kommt, dass ich sowohl zu meiner Familie in Kalifornien, als auch für die Lieben hier zuhause immer gerne kleine und größere Mitbringsel mitbringe. Wer schon einmal durch amerikanische Supermärkte oder Outlets geschlendert ist, weiß genau, wie schnell sich die Koffer füllen.

Hier wären Economy Class und Handgepäck für mich schlicht keine Option gewesen. Die Strecke ist länger, der Aufenthalt deutlich ausgedehnter und am Ende der Reise sollen schließlich noch genügend Platzreserven für die vielen schönen Erinnerungstücke vorhanden sein, die mit nach Hause dürfen. Genau in solchen Fällen lohnt es sich für mich, etwas mehr Geld zu investieren und die verschiedenen Zusatzleistungen der Airlines genauer anzuschauen.

Seit einigen Jahren gönne ich mir auf längeren Interkontinentalflügen deshalb die Premium Economy Class. Für mich ist das der ideale Mittelweg zwischen Economy und Business Class – man bekommt spürbar mehr Komfort, ohne dass die Preise völlig aus dem Ruder laufen. Gerade wenn man nach elf oder zwölf Stunden Flug noch fit genug sein möchte, um den Urlaub direkt zu genießen, macht das einen enormen Unterschied. Mittlerweile bieten fast alle großen Fluglinien auf der Langstrecke eine Premium Economy an, wobei sich die inhaltlichen Angebote tatsächlich teils deutlich unterscheiden. Ihr solltet also genau schauen, was ihr bucht. 

Für meine Reise nach Los Angeles habe ich in diesem Jahr zahlreiche Angebote verglichen, überraschenderweise schnitt Finnair beim Preis-Leistungs-Verhältnis am besten ab und lag preislich mehrere hundert Euro unter der Fluglinie, mit der ich nach New York geflogen war – bei gleicher Leistung wohlgemerkt. Also wagte ich zum ersten Mal den Flug mit der finnischen Fluggesellschaft, die bei Service und Sicherheit schon immer einen guten Ruf hatte. Mein Routing führte von Düsseldorf über Helsinki nach Los Angeles. Und was soll ich sagen? Ich war wirklich begeistert.

Schon beim Check-in zeigte sich einer der großen Vorteile der Premium Economy. Auf meiner USA-Strecke waren gleich zwei Aufgabegepäckstücke mit jeweils bis zu 23 Kilogramm enthalten, plus Handgepäck. Für eine dreiwöchige Rundreise inklusive Shopping-Ausbeute ist das ein echter Luxus. Während ich bei anderen Reisen genau überlegen muss, was in den Koffer kommt, konnte ich hier deutlich entspannter packen und musste mir auch auf dem Rückweg keine Gedanken über zusätzliches Gepäck machen.

An Bord erwarteten mich angenehm breite Sitze mit deutlich mehr Beinfreiheit als in der Economy Class. Gerade auf einem Flug nach Kalifornien, der ohnehin schon sehr lang ist, macht das die Reise wesentlich angenehmer. Die größere Sitzneigung, die komfortable Beinauflage und die insgesamt großzügigere Gestaltung sorgen dafür, dass man sich deutlich freier bewegen kann. Für mich bedeutet das vor allem eines: entspannter ankommen. Dazu gab´s dann eine kuschlige Decke, komfortable Kopfhörer für das Entertainment Programm, ein super gemütliches und praktisches Nackenkissen, Wasser und dann noch Zahnbürste, Ohrstöpsel und Augenmaske – alles in einem stylischen Etui der finnischen Design-Marke marimekko verpackt. Die Economy-Plus Kabine ist zudem durch einen Vorhang von der regulären Economy und der Business Class abgetrennt, so dass die 4 Reihen hier insgesamt eine sehr ruhige Atmosphäre versprühen.

Besonders positiv in Erinnerung geblieben ist mir aber das Catering. Bereits vor dem Flug konnte ich meine Mahlzeiten bequem über die Finnair-App auswählen. Ein Service, den ich sehr schätze, denn so weiß ich bereits vor dem Abflug, worauf ich mich freuen kann. Auf dem Hinflug entschied ich mich für Boeuf Stroganov mit Kartoffelpüree und Lauchgemüse in einer feinen Tomatensauce. Vor der Landung wurde dann ein kleines Omelett serviert, genau richtig um satt, aber nicht voll zu sein. Dazu werden alkoholische und nicht-alkoholische Getränke serviert und während der Ruhephase immer wieder Wasser gereicht – stay hydrated!

Auf dem Rückweg hatte ich dann die Wahl zwischen Lachs, begleitet von mit Käse gefüllte Gnocchi sowie wunderbar zarte Rinderrippchen mit Kartoffeln und grünem Spargel. Alle Gerichte waren überraschend hochwertig, die Hauptmahlzeit appetitlich auf Porzellan-Geschirr angerichtet, geschmacklich ausgewogen und weit entfernt von dem Klischee, das viele Menschen von Flugzeugessen haben.

Mindestens genauso angenehm war die Crew. Die Stewardessen waren auf beiden Flügen außergewöhnlich freundlich, aufmerksam und herzlich. Es wirkte nie aufgesetzt oder routiniert, sondern ehrlich und persönlich. Gerade auf langen Flügen machen solche Begegnungen einen großen Unterschied. Man fühlt sich willkommen, gut betreut und einfach wohl. Genau diese kleinen Details bleiben mir oft länger in Erinnerung als technische Daten oder Sitzabstände.

Natürlich wäre die Business Class die Krönung des Reisens. Finnair hat ihre Langstreckenkabinen in den vergangenen Jahren komplett modernisiert: die großzügigen Sitze lassen sich in vollwertige Betten verwandeln, die Verpflegung wird noch hochwertiger und zahlreiche zusätzliche Services sorgen für ein besonders exklusives Reiseerlebnis. Ich gebe offen zu: Diesen Luxus habe ich mir bislang noch nicht gegönnt. Nach meinen Erfahrungen mit Finnair steht die Business Class aber definitiv auf meiner persönlichen Wunschliste für eine zukünftige Reise und vielleicht werde ich mir diesen Luxus irgendwann einmal gönnen. Wer maximale Erholung und Komfort sucht, wird hier sicherlich bestens aufgehoben sein. Meine Familie aus den USA beispielsweise ist in einem fortgeschrittenen Alter und fliegt nur noch Business Class, einfach weil sie körperlich viel entspannter ankommen – man muss halt wissen, wann sich ein Upgrade für einen persönlich lohnt.

Mein Zwischenstopp in Helsinki dauerte diesmal übrigens knapp vier Stunden. Für viele Reisende klingt das zunächst nach einer langen Wartezeit, tatsächlich vergingen die Stunden aber erstaunlich schnell. Der Flughafen gehört für mich inzwischen zu den angenehmsten Europas, alles wirkt modern, hell und übersichtlich. Es gibt zahlreiche interessante Geschäfte, Restaurants und Cafés, sodass man die Zeit problemlos verbringen kann. Und vergesst nicht – für einen Interkontinentalflug müsst ihr auch durch die Passkontrolle, was zusätzlich ein paar Minuten dauert.

Noch entspannter wurde es allerdings dadurch, dass ich erstmals die Finnair Business Lounge* im Nicht-Schengen-Bereich besuchen durfte. Schon beim Betreten fiel mir die entspannte Atmosphäre auf. Kein Gedränge, keine Hektik, keine lauten Durchsagen. Stattdessen nordisches Design, großzügige Sitzbereiche und jede Menge Platz. Egal ob ihr noch arbeiten müsst, E-Mails beantworten wollt oder einfach nur entspannen möchtet – hier findet wirklich jeder seinen Lieblingsplatz. Informationen zu euren Flügen erhaltet ihr dennoch in Echtzeit, denn viele Monitore zeigen Flugdaten, Gates & Co an und halten euch auch hier up to date.

Besonders beeindruckt haben mich die privaten, vollausgestatteten Badezimmer mit Dusche. Diese können kostenlos reserviert werden und bieten für jeweils 30 Minuten einen perfekten Rückzugsort zwischen zwei Flügen. Einige werden sich jetzt vielleicht fragen, wer am Flughafen duschen geht: Ich musste von meiner Familie aus rund 2 Stunden mit dem Auto bis LA fahren, bei gut 40° Außentemperatur, musste dann meinen Mietwagen abgeben und in einem stickig-heißen Shuttle zum Flughafen fahren, 3 Stunden vor Abflug am Airport warten und war dann gut 11 Stunden in der Luft. Glaubt mir, frisch war ich bei der Zwischenlandung in Helsinki wahrlich nicht mehr. Gerade nach so einem Langstreckenflug gibt es also kaum etwas Angenehmeres, als sich frisch zu machen, bevor die Reise weitergeht. Und besonders dann, wenn die Badezimmer so wunderbar ausgestattet und sauber sind – ehrlich gesagt habe ich schon Hotelbäder gesehen, die weniger beeindruckend waren.

Auch kulinarisch hat die Lounge einiges zu bieten. Das Buffet umfasst frische Salate, verschiedene Brotsorten, Suppen, warme Speisen sowie süße Backwaren und Desserts. Kaffee, Tee, Softdrinks und alkoholische Getränke stehen zudem unbegrenzt zur Verfügung und an der Bar könnt ihr euch sogar einen frisch gemixten Cocktail zubereiten lassen. Es ist quasi wie ein Hotelbuffet, ihr findet Varianten mit und ohne Fleisch, Leichtes und Deftiges und dazu eine große Auswahl an gemütlichen Sitzgelegenheiten, um eure Mahlzeit auch wirklich zu genießen. Ich persönlich habe von Allem Etwas probiert und mir dazu zwei Cocktails gegönnt, beide alkoholfrei, aber geschmacklich wie auch optisch großartig zubereitet mit frischen Zutaten wie Minze, Limette & Co. Um ehrlich zu sein: ich musste schon um 5 Uhr morgens das Haus verlassen und um diese Uhrzeit kann und will ich noch nicht frühstücken. Ich war also glücklich, hier so eine köstliche Speisenauswahl zu finden und mich für den Weiterflug zu stärken!

Nach einigen Stunden in der Lounge fühlte ich mich deutlich entspannter als nach den meisten Flughafenaufenthalten, die ich bislang erlebt habe. Wer Business Class fliegt, erhält den Zugang in vielen Fällen automatisch. Aber auch als Premium-Economy- oder Economy-Passagier könnt ihr den Eintritt häufig unkompliziert über die App hinzubuchen. Auf den ersten Blick wirken rund 40-50 Euro pro Person dafür vielleicht viel, wenn ihr jedoch einmal zusammenrechnet, was eine warme Mahlzeit, Getränke, Kaffee, vielleicht noch ein Dessert und ein ruhiger Sitzplatz am Flughafen kosten und das ihr dafür ggf. einige Strecken hinter euch bringe müsst, dann relativiert sich dieser Betrag sehr schnell. Alleine in LA habe ich für ein einfaches Mittagessen mit Getränk fast 22 Dollar bezahlt, eine Flasche Wasser zusätzlich kam dann noch 5 Dollar, ein Kaffee 8 Dollar und Sitzplätze waren wirklich nicht überall zu finden. Ich habe also so schon 35 Dollar ausgegeben, für ein paar Dollar mehr kann ich dann lieber in der Lounge aus einer schönen Speisenauswahl wählen, so viel essen und trinken, wie ich mag, duschen und in einer ruhigen Atmosphäre relaxen. Eine ganz einfache Rechnung!

Natürlich muss nicht jede Reise luxuriös sein und ich werde auch künftig immer mal wieder mit Handgepäck und Economy-Ticket unterwegs sein, wenn es zur Reise und meinen Bedürfnissen passt. Aber gerade auf langen Strecken habe ich gelernt, dass ein gezielt gewähltes Extra den Unterschied zwischen „irgendwie angekommen“ und „entspannt angekommen“ ausmachen kann.

Mehr Gepäck, bequemere Sitze, besseres Essen oder ein paar Stunden in einer guten Lounge sind keine unnötigen Luxusausgaben. Sie können eine Reise erheblich angenehmer machen und sorgen dafür, dass der Urlaub bereits mit dem Flug beginnt – vielleicht grade für uns Ü40 Reisende nicht unerheblich!

Für mich hat sich die Kombination aus Finnair Premium Economy und dem Besuch der Business Lounge in Helsinki auf diesem Langstreckenflug jedenfalls mehr als gelohnt. Auch wenn der Endpreis etwas höher war, wären die Kosten für die einzelnen Zusatzbuchungen (XL-Sitze, Zusatzgepäck etc) fast auf den gleichen Endpreis gekommen. Und so hatte ich einfach alles in einem Paket Und manchmal darf es eben tatsächlich ein bisschen mehr sein!

 

 

 

*Vielen Dank an Finnair für die Einladung in die Lounge! / Beitrag unentgeltlich, Flug selbst bezahlt 🙂

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