Natürlich San Francisco: Mit dem E-Bike durch die grüne Seite der Stadt

Golden_Gate_Bridge

Ich gebe zu: Als die Idee aufkam, San Francisco mit dem Fahrrad zu erkunden, war ich zunächst gespannt wie gut das funktionieren würde. Eigentlich fahre ich sehr gerne Fahrrad, im Alltag fehlt mir dafür nur leider viel zu oft die Zeit. Im Urlaub ist eine Radtour deshalb durchaus etwas, worauf ich mich freue. San Francisco schien mir dafür allerdings auf den ersten Blick eine ziemlich sportliche Wahl zu sein: Die Hügel sind legendär, der Straßenverkehr lebhaft und gerade die vielen Steigungen machten mich neugierig, wie entspannt eine Fahrradtour durch die Stadt tatsächlich werden würde. Umso schöner, dass sich schnell herausstellte: mit der richtigen Route und dem richtigen Bike kann man San Francisco wunderbar auf zwei Rädern entdecken.

Im Rückblick und dank meiner eigenen Erfahrungen würde ich euch heute in San Francisco also vorbehaltlos zu einem E-Bike raten. Denn damit könnt ihr die Stadt tatsächlich umweltfreundlich und gleichzeitig entspannt vom Fahrrad aus entdecken – aus einer ganz neuen Perspektive und sehr viel entschleunigter, als es mit dem Auto möglich wäre. Wobei man natürlich zunächst einmal zum Fahrrad kommen muss. Mein Ausgangspunkt, das Axiom Hotel , liegt dafür wirklich ideal mitten in Downtown. Direkt vor der Tür findet ihr beste Anbindungsmöglichkeiten an den öffentlichen Nahverkehr und könnt so ganz unkompliziert auch ohne Auto durch die Stadt kommen.

Ich selbst bin vom Union Square aus mit der historischen F-Linie, einer der typischen Vintage-Straßenbahnen San Franciscos, bis zur Fisherman’s Wharf gefahren. Für gerade einmal 3 Dollar pro Strecke ging es dabei entspannt in Richtung Wasser – und genau dort wartete mein Fahrrad bereits auf mich. So ließ sich die Anreise zur Verleihstation wunderbar mit einem kleinen Stück San-Francisco-Erlebnis verbinden. Mein Fahrrad durfte ich übrigens im Rahmen einer Kooperation bei Blazing Saddles* ausleihen und schon bei der Abholung war ich gespannt auf meine erste Fahrt durch San Francisco.

Das familiengeführte Unternehmen ist bereits seit 1982 in der Stadt aktiv und hat sich in mehr als vier Jahrzehnten zu einem großen Anbieter für Fahrradverleih und Fahrradtouren entwickelt. Angefangen hat die Geschichte in Fisherman’s Wharf; heute gibt es mehrere Standorte in San Francisco und eine sehr große Auswahl unterschiedlicher Fahrräder. Und genau diese Auswahl fand ich ziemlich beeindruckend: bei Blazing Saddles bekommt ihr nicht einfach irgendein Fahrrad, sondern könnt je nach Tour und persönlichen Vorlieben zwischen Comfort Bikes, E-Bikes, Tandems, Kinderfahrrädern und weiteren speziellen Modellen wählen.

Dazu kommt die Wahl zwischen eigenständigen Touren und geführten Touren. Ihr könnt euch also entweder einer Gruppe anschließen und während der Fahrt von einem Guide Geschichten und Hintergrundinformationen über San Francisco erfahren, oder euch einfach mit einer Karte und Routenvorschlägen selbst auf den Weg machen. Genau diese Freiheit gefällt mir: Man muss sich nicht auf eine bestimmte Art des Reisens festlegen, auf keine Tour und kann stattdessen einfach frei losradeln.

Auch bei der Ausstattung hat Blazing Saddles an einiges gedacht, denn zu jeder Vermietung gehören Helm, Schloss und eine individuelle Karte dazu – klar, im Koffer hätte ich auch wenig Platz gehabt meinen eigenen Helm mitzubringen – zusätzlich gibt es eine kostenlose App, die bei der Orientierung hilft. Bei Fragen steht nicht nur vor Ort das versierte und freundliche Team von Blazing Saddles zur Verfügung, auch unterwegs gibt es im Bedarfsfall Unterstützung. Vor der Abfahrt könnt ihr das Fahrrad zudem ausprobieren und bekommt Unterstützung bei der Einstellung. Gerade für ungeübtere oder Gelegenheits-Fahrer und in einer fremden Großstadt finde ich das wichtig, denn man sollte sich schließlich nicht erst nach einer halben Stunde auf der Straße fragen, wie dieses Fahrrad eigentlich funktioniert. Bei mir dauerte es nicht lange, bis ich mich mit dem E-Bike wohlfühlte und dann konnte es auch schon losgehen.

Was mir außerdem gefallen hat, ist die Flexibilität bei der Rückgabe. Mehrere Standorte liegen in Fisherman’s Wharf, und je nach Standort sind auch späte beziehungsweise 24-Stunden-Rückgaben möglich. Ihr müsst eure Tour also nicht unbedingt nach einem strengen Zeitplan ausrichten, sondern könnt euch einfach treiben lassen. Für meine Tour fiel die Entscheidung ziemlich schnell auf ein E-Bike – Zum Glück. Denn auch wenn ich inzwischen weiß, dass eine Fahrradtour durch San Francisco wesentlich entspannter sein kann als gedacht, ist die elektrische Unterstützung ein großes Plus und nimmt auch Ungeübten wie mir die Angst vor dem Gelände.

Bevor es losging, hatte ich wegen der berühmten Hügel zunächst eine etwas flachere Route ausgesucht. Ich fahre eigentlich sehr gerne Fahrrad, wollte mich in San Francisco aber nicht gleich mit einer anspruchsvollen Strecke übernehmen. Die Mitarbeiter von Blazing Saddles haben mich dann super beraten und mich überzeugt, doch die klassische Runde zu fahren. Meine ursprüngliche Route wäre zwar einfacher, aber auch deutlich weniger schön gewesen. Also habe ich auf die Profis gehört – zum Glück!

Die Tour startet am Wharf und führt zunächst entlang der Waterfront über Aquatic Park und Fort Mason Richtung Marina. Schon die ersten Kilometer zeigen, was diese Route so besonders macht: Wir sind mitten in San Francisco unterwegs und gleichzeitig ständig draußen, nah am Wasser und mit tollen Blicken auf die Bay. Auch beim Straßenverkehr war meine Sorge größer als nötig. Natürlich muss man aufmerksam fahren, aber San Francisco hat erstaunlich viele Radwege und verkehrsberuhigte Bereiche. Gerade die sogenannten Slow Streets machen das Radfahren angenehm. Und wenn doch einmal ein Hügel kommt? Dann kommt mein persönlicher Lieblingsknopf zum Einsatz: Booster an – und weiter.

Bei Crissy Field öffnet sich die Landschaft plötzlich. Vor uns liegt die Bay, daneben weite Grünflächen und dahinter – natürlich – die Golden Gate Bridge. Crissy Field lädt außerdem zu einer kleinen Pause ein. Aufs Wasser schauen, Fotos machen und einfach ein bisschen Zeit lassen. Und genau dafür liebe ich Fahrradtouren: Man kommt weiter als zu Fuß, bleibt aber trotzdem flexibel. Am Tag meines Ausflugs war es etwas grau, perfekt also zum Fahrradfahren, denn man wird nicht von der Sonne verbrannt. Zugegeben, für Fotos wäre Sonne schöner gewesen, aber man muss das Leben nehmen, wie es kommt!

Von Crissy Field geht es dann vorbei am Golden Gate Bridge View Point am Torpedo Wharf bergauf, denn ihr fahrt weiter ins Presidio und die Stadt verändert sich erneut. Zwischen Bäumen, Wiesen und historischen Gebäuden verschwindet der Großstadtcharakter fast vollständig. San Francisco ist eben nicht nur Downtown und Hochhäuser, sondern genauso Park, Wald, Küste und Bay. Haltet auf jeden Fall am Golden Gate Overlook am Langdon Ct an, die Aussicht hier ist phänomenal.

Anschließend geht es Richtung Ocean Beach. Jetzt liegt nicht mehr die geschützte Bay vor uns, sondern der offene Pazifik. Der Strand ist weit, das Meer wirkt rauer und der Wind erinnert daran, dass Kalifornien hier nicht nur aus Sonnenschein und Palmen besteht. Ich mag genau diesen Kontrast: Ocean Beach fühlt sich weiter, wilder und ein bisschen ursprünglicher an als die Waterfront. Es gibt genügend Bänke für einen kleinen Stopp und die salzige Meeresluft tut einfach nur gut.

Von Ocean Beach radeln wir nun hinein in den Golden Gate Park, den ich schon so lange sehen wollte. Mit seinen rund 400 Hektar gehört er zu den bedeutendsten und größten Stadtparks der USA und ist für die Menschen in San Francisco weit mehr als nur eine grüne Oase – er ist ein wichtiger Erholungsraum mitten in der Stadt. Der Park ist riesig und könnte problemlos einen ganzen Tag füllen, auf meiner Route genieße ich aber vor allem die Ruhe und die vielen Bäume nach den Eindrücken der Stadt. Es fühlt sich fast ein bisschen so an, als würde man plötzlich aus San Francisco hinaus und mitten hinein in eine andere Welt fahren – perfekt, um den Kopf freizubekommen und einfach ein wenig treiben zu lassen.

Meine Must-Sees abseits des allseits Bekannten hier sind sicher der Queen Wilhelmina Garden, die Drachenfigur Naga and the Captainess, der Tempel am Lloyd Lake und die Love Blocks. Natürlich könnt ihr die Tour hier noch erweitern und Gärten, Museen oder weitere Sehenswürdigkeiten einbauen, ich wollte vor allem die grüne Seite San Franciscos erleben und dafür war die Strecke perfekt. Wenn ihr San Francisco einmal von einer ganz anderen, wunderbar entspannten Seite kennenlernen möchtet, solltet ihr euch für diese Route unbedingt etwas Zeit nehmen.

Nach so viel Grün fühlt sich die Rückfahrt über die Market Street fast wie ein Szenenwechsel an. Plötzlich sind wieder mehr Menschen unterwegs, Straßenbahnen fahren vorbei und die Hochhäuser tauchen auf. Aber auch hier gilt: keine Angst, die Fahrradwege sind hier so gut und breit ausgebaut, dass ihr auch im Großstadttrubel keine Bedenken haben müsst. Und auch mit den Fahrrädern von Blazing Saddles selbst habe ich mich rundum sicher gefühlt: Sie sind super gepflegt, bestens gewartet und machen einfach einen zuverlässigen Eindruck – gerade im dichten Stadtverkehr für mich ein wichtiger Punkt. So konnte ich mich ganz auf die Strecke und die vielen neuen Eindrücke konzentrieren, statt mir Gedanken über das Fahrrad machen zu müssen.

Über das Embarcadero, Fisherman’s Wharf und das Pier 39 schließt sich unsere Runde ziemlich perfekt: Wasser, Marina, Golden Gate Bridge, Pazifik, Presidio, Ozean, Golden Gate Park und schließlich wieder mitten hinein ins quirlige San Francisco. So viel Natur, so viel abseits des Mainstreams und das alles, ohne einmal ins Auto steigen zu müssen.

Mein Fazit: Ich hätte vor der Reise ehrlich gesagt nicht gedacht, dass ich das nach einer Fahrradtour durch San Francisco sagen würde, aber: Ich bin heillos begeistert.

Gerade für Menschen, die nicht regelmäßig Fahrrad fahren, ist ein E-Bike meiner Meinung nach eine tolle Möglichkeit, San Francisco einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen. Ihr seid draußen, bekommt viel mehr von den unterschiedlichen Stadtteilen mit und könnt jederzeit anhalten, wenn euch ein Ausblick, ein Park oder einfach eine schöne Ecke gefällt. Und ihr müsst dafür nicht besonders sportlich sein – das war für mich wahrscheinlich die wichtigste Erkenntnis.

Natürlich solltet ihr euch auf dem Fahrrad sicher fühlen und ein bisschen Erfahrung im Straßenverkehr mitbringen, aber ihr müsst keine ambitionierten Radfahrer sein. Es war für mich beruhigend, dass die E-Bikes von Blazing Saddles einen richtig guten und sicheren Eindruck gemacht haben und damit eine zuverlässige Begleitung für die Tour waren. Die elektrische Unterstützung nimmt den Hügeln zudem viel von ihrem Schrecken und macht auch längere Strecken gut machbar. Gerade weil ich selbst nicht zu den Menschen gehöre, die im Alltag jeden Tag viele Kilometer mit dem Fahrrad fahren, war die Tour für mich ein kleines Experiment – und eines, das ziemlich gut funktioniert hat.

San Francisco mit dem Auto zu erkunden, hätte mir bei dieser Reise wahrscheinlich einiges an Nerven gekostet. Stattdessen bin ich gelaufen, Fahrrad gefahren und habe den öffentlichen Nahverkehr genutzt. Gerade rund um das Axiom Hotel ist das ausgesprochen praktisch, weil ihr zentral wohnt und viele Verbindungen direkt vor der Tür habt.

Für mich gehört genau das zu diesem „Natürlich San Francisco“ dazu: weniger Auto, mehr draußen, mehr Bewegung und vor allem mehr Zeit, die Stadt wirklich wahrzunehmen.

Denn vielleicht ist das letztlich die schönste Art, San Francisco kennenzulernen: nicht möglichst schnell alle Sehenswürdigkeiten abzuarbeiten, sondern einfach loszulaufen oder loszuradeln und zu schauen, was hinter der nächsten Kurve kommt.

 

 

 

*Vielen Dank an Blazing Saddles für die Unterstützung dieses Beitrag / Beitrag unentgeltlich!

 

 

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